Auf der Suche nach der Essenz
des Gongfu

Mit der Geschichte einer Kunst setzt man sich meist kaum auseinander, um sofort an die Praxis zu gehen und um schnelle Resultate zu erzielen. Beim Yiquan jedoch ist ein tiefes Verständnis der Prinzipien wichtig, nach denen Meister Wang Xiangzhai sein ganzes Leben gesucht und geforscht hat. Wir möchten Dich deshalb einladen, mit uns einen Hauch des Geistes zu erspüren, der das Leben und Wirken Wang Xiangzhais umgab und schließlich als Frucht die Übungen des Yiquan hervorbrachte. Die Entstehungsgeschichte des Yiquan hilft dabei, die praktischen Übungen besser zu verstehen.

Meister Wang Xiangzhai (1886-1963)

Meister Wang Xiangzhai (1886-1963) entwickelte Yiquan Mitte der Zwanziger Jahre. Er war seinerzeit Schüler des damals berühmtesten Xing Yi Quan Meisters Guo Yunshen aus der Provinz Hebei, dessen Kampfkunstfähigkeiten legendär sind. Da Guo Yunshen einige Gegner bei Herausforderungen mir nur einem Schlag tötete, nannte man Ihn seinerzeit „Dämonenfaust“. Als sehr geschickter und fleißiger Schüler zog er bald die Aufmerksamkeit seines Lehrers auf sich. Aufgrund seiner besonders guten charakterlichen und intellektuellen Voraussetzungen lehrte Guo Yunshen vor allem Wang Xiangzhai die Geheimnisse seiner Zhanzhuang Übungen, mit deren Hilfe Meister Guo Yunshen wahres „Gongfu“ (Können) erreichte. Wang’s Lehrjahre waren von einer hohen Intensität geprägt. Sein Lehrer beurteilte bspw. Wang’s Trainingsintensität nach dem Feuchtigkeitsgehalt seiner Trainingskleidung und dem der Stelle des Bodens, wo Wang sein Zhan Zhuang übte. Erst wenn der Boden unter seinen Füßen einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt vom Schwitzen aufwies, durfte Wang die Stehübungen beenden. Später wurden die Zhang Zhuang Übungen der wichtigste Teil von Wang Xiangzhais eigener Kampfkunst: dem Yiquan.

Nach dem Tod seines Lehrers trainierte Wang bis zu seinem 22. Lebensjahr all das, was er bis dahin gelernt hatte, so gründlich er nur konnte. Danach begab er sich auf Arbeitssuche nach Peking und trat der Armee bei. Schon bald war Wang in den Kampfkunstkreisen Pekings sehr bekannt und geschätzt. In dieser Zeit besiegte Wang einige der damals berühmten Kampfkunstmeister, z. B. Li Ruidong, Gründer des Li-Taijiquan und Kampfkunstlehrer der Präsidentengarde, Zhou Ziyan, ein berühmter Meister des Gottesanbeterinnen-Gongfu-Stils.

Als Wang 33 Jahre alt geworden war, beschloss er durch China zu reisen um andere Kampfkunstmeister zu treffen. Auf seiner siebenjährigen Reise tauschte er sich mit vielen großen Meistern der unterschiedlichsten Kampfkünste (Shaolin-Xinyibastil, Kranichboxen, verschiedene Xingyiquan-Stile, Baguazhang, Taijiquan) aus und komplettierte so langsam die Theorie und Praxis seiner eigenen Kampfkunst. Diese betrachtete Meister Wang stets als Quanxue: die Wissenschaft von der Kampfkunst.

Um 1925, während Wang in Peking Xingyiquan lehrte, bemerkte er, dass seine Schüler zu sehr auf äußere Formen und festgelegte Abläufe fixiert waren und dadurch nur geringe Fortschritte machten. Daraufhin änderte Wang die Trainingsmethodik und die Bezeichnung des Kampfkunstsystems. Er stellte die Zhanzhuang (Stehen wie ein Pfahl Übungen) und Shili Übungen (Trainingsmethoden zum Erfühlen der inneren Kraft) in den Mittelpunkt des Trainings mit dem Ziel, an die ursprüngliche Wurzel der Kultivierung des menschlichen Lebenspotenzials zurückzukehren. Yiquan war geboren. Dabei dachte Meister Wang anfangs nicht an die Entwicklung einer neuen Kampfkunst, sondern er trachtete danach, an die Wurzeln des Xingyiquan zu gelangen, um diese Kunst vollständig zu erfassen. Dort angekommen erkannte er die Wurzeln der anderen inneren Künste.

Im Jahre 1928 reiste Wang zusammen mit seinen Schülern Zhao Enqing und Zhang Zhankui nach Hangzhou, wo er Schiedsrichter eines Free-Fighting Wettbewerbs im Rahmen der Dritten Chinesischen Sportwettkämpfe war. Hier demonstrierte er auch die Trainingsmethoden seines Systems. Sein Schüler Zhao Enqing gewann das Turnier. Wang wurde daraufhin nach Shanghai eingeladen, wo er die Yiquan-Gesellschaft Shanghai gründete. Wang besiegte den damaligen Boxweltmeister im Schwergewicht, den Ungarn Inge. Ein diesbezüglicher Bericht in der Londoner „Times“ machte auch den Westen auf das chinesische Boxen in Form des Yiquan aufmerksam. Seine Schüler Han Xingqiao, Zhao Daoxin, Zhang Changxin und Gao Zhendong wurden in Shanghai als die „Vier diamandenen Krieger“ berühmt. Wang schrieb zu dieser Zeit seine erste Abhandlung „Der korrekte Pfad des Yiquan“. Sein System unterschied sich mittlerer Weile schon ziemlich stark von dem, was von anderen Xingyiquan-Meistern gelehrt wurde. In seinem Werk kritisierte er einige Konzepte, die in Xingyiquan Kreisen sehr populär waren. Die meisten seiner Ideen basierten aber immer noch auf den traditionellen Konzepten. Wang gab diese in späteren Jahren jedoch vollständig auf. 1935 kehrte Wang zusammen mit seinen Schülern Bu Enfu, Zhang Entong, Zhang Changxin und Han Xingqiao in seine Heimatpräfektur Shen zurück. Dort konzentrierten sie sich auf das Training und das Studium der theoretischen Konzepte der Kampfkunst. Die meisten heutzutage gelehrten Konzepte und Trainingsmethoden des Yiquan wurden zu dieser Zeit entwickelt und perfektioniert. Es zeigte sich, dass die Schüler mit diesen Methoden schnelleren Fortschritt machten.

1937

1937 kehrte Wang nach Peking zurück. Er lehrte Yiquan und feilte weiter an der Theorie des Systems. Der zu dieser Zeit in Peking sehr bekannte Xingyiquan- und Tantui-Meister Hong Lianshun, Nachbar von Meister Wang, forderte Wang Xiangzhai heraus, als er von dessen unbeschreiblichen Fähigkeiten hörte. Nachdem er von Wang besiegt wurde, wurde er dessen Schüler und gab alle seine Schüler an Wang weiter. Unter Ihnen war auch Yao Zhongxun (1917-1985), der später offiziell Meister Wang Xiangzhai’s Nachfolger wurde. Man vermutet, dass Wang Pate gestanden haben mag für die Hauptfigur des Kungfu-Films „Die Faust des Meisters“ und auch „Die Todesfaust des Cheng Li“ mit Bruce Lee erinnert an Wang Xiangzhai und dessen unerreichte Fähigkeiten in der Kunst des Boxens.

Bis ca. 1940 entwickelte Wang Yiquan weiter und perfektionierte es. Um 1940, zur Zeit der japanischen Besatzung, forderte Wang per Zeitungsinserat alle Meister anderer Kampfkünste zu Vergleichskämpfen und zum Austausch auf, sicherlich auch um das angegriffene Selbstbewußtsein seiner Landsleute zu stärken. Alle diese hieraus resultierenden Kämpfe sind legendär geworden, denn keiner der Gegner vermochte Wang auch nur ein Haar zu krümmen.

Viele Meister chinesischer Kampfkünste aber auch europäische und japanische Kämpfer kamen. Keiner konnte Wang besiegen. Manche wurden auch seine Schüler wie z.B. Kenichi Sawai. Sawai Sensei, hochgraduierter Meister des Karate, Iaido, Kendo und 5. Dan Judo weilte in Beijing, als er von Wang hörte und forderte Wang u.a. zu einem Schwertvergleich heraus, nachdem er ohne Waffen jedes Mal zu Boden geschleudert wurde und keinerlei technik anbringen konnte. Wang nahm auch diese Herausforderung an, bemerkte jedoch, dass er sich sicherer ohne Waffen fühle und jede Waffe lediglich die Verlängerung des eigenen Armes ist. Sawai Sensei griff mit erhobenem Schwert an und Wang parierte mit einer winzigen Drehung. Als beide Schwerter sich streiften wurde Sawai mehrere Meter weit fortgeschleudert und seine Hände waren eine zeitlang taub. Ein andermal berührten sich die Klingen und Sawai versuchte sein Schwert zurückzuziehen, doch die Schwerter schienen wie festgeklebt, bis Wang ihn mit einer Drehung durch eine nahegelegene Tür schleuderte. Sawai wurde sein Schüler und verbreitete später in Japan seine Essenz der Lehren Meister Wangs und nannte es „Taikiken“. Berühmte holländische Kyakushinkai-Karatekämpfer und Vollkontakt Kumite- Profis wie Jon Bluming und Kotzebue gingen nach Japan um von Sawai Sensei Taikiken zu lernen.

In seinem Buch „Xing Yi Quan Xue“ beschreibt der Altmeister Sun Lutang (1861-1933), ein älterer Xingyi-Mitschüler von Wang Xiangzhai, und der spätere Begründer des Sun-Stils des Taijiquan seine erste Lehrzeit bei Meister Guo Yunshen:

„Im ersten Jahr lernte er nur in der Santi-Stellung zu stehen. Es war ihm nicht erlaubt etwas anderes zu praktizieren. Nach sechs Monaten aber wurden sein Bauch und die Hüfte voll (Qi) und seine Füße bekamen Wurzeln. Er begann aus dem Stehen innere Kraft zu entwickeln und er erkannte, daß dies wahres Gongfu ist.“

Auch Sun Lutang suchte nach der Essenz der inneren Kampfkünste. Im Sun-Stil vereinigte er seine Erfahrungen aus dem Xingyiquan, Baguazhang und Taijiquan.

Später, als sich Meister Wang mehr und mehr zurückzog, nahmen seine Meisterschüler, insbesondere Yao Zhongxun, an seiner statt die Herausforderungen an. Erst wenn jemand einen der Meisterschüler von Wang Xiangzhai besiegen konnte, durfte er gegen ihn selbst antreten. Dies geschah jedoch nie. Yao Zhongxun stellte seine Fähigkeiten in unzähligen Kämpfen unter Beweis. Er kämpfte auch oft gegen Straßenbanden, die zu dieser Zeit zahlreich in Peking waren. Auf diese Weise erwarb er viel Kampferfahrung in realen Auseinandersetzungen auf Leben und Tod.

Yiquan unterschied sich mittlerer Weile fundamental vom Xingyiquan und hat sich zu einem eigenständigen System mit einer eigenen Trainingslogik entwickelt. Wangs Studenten schlugen zur besseren Unterscheidung einen neuen Namen für das System vor: Dachengchuan, die vollendete Kampfkunst. Wang war gegen diesen Namen, da er seiner Meinung nach bei den Leuten die Vorstellung hervorrief, es würde sich um eine perfekte Kampfkunst handeln. Er war der tiefen Überzeugung, dass es keine Grenzen für die Perfektionierung eines Kampfkunstsystems geben kann und wahre Kampfkunst daher ständig weiterentwickelt werden muss. Wang Xiangzhai verstand Kampfkunst stets als eine sich kontinuierlich weiterentwickelnde Wissenschaft, die für äußere Einflüsse stets offen bleiben sollte. Trotz Wangs Bedenken setzte sich der Name Dachengchuan für einige Jahre durch und wird von einigen Praktizierenden noch heute verwendet. Die meisten Schüler Wangs kehrten jedoch zum ursprünglichen Namen zurück. Wang verfasste sein zweites Buch, in dem er die traditionellen Ansätze gänzlich aufgab. Die Trainingsmethoden wurden auf verschiedene Konzepte aufgebaut. Die neueren Methoden ermöglichten es, die selben Resultate schneller und sogar besser zu erreichen, wie nach den traditionellen Trainingsmethoden.

Meister des Chan

Meister Wang Xiangzhai galt sowohl als hervorragender Kampfkunstexperte, als auch als Meister des Chan (Zen). Er war auch als Dichter, Maler und Kalligraph bekannt. Herr Wang widmete sich in seiner späteren Lebenszeit besonders der Gesundheitserhaltung und Krankheitsvorbeugung sowie der Heilung von Erkrankungen durch Yiquan. Anfänger des Kampfkunsttrainings verwies Wang an Meister Yao Zhongxun, er selbst unterrichtete persönlich die Gesundheitsgruppe. Das Training fand im Ahnentempel (dem heutigen Kulturpalast des arbeitenden Volkes) statt und hatte 1947 etwas um die einhundert Mitglieder. Viele von Ihnen konnten Krankheiten erfolgreich heilen, die mit herkömmlichen Methoden nicht zu kurieren waren. Der therapeutische Wert und das Fehlen jeglicher Nebenwirkungen wurde später wissenschaftlich nachgewiesen. Nach 1949 war es nicht vorteilhaft wegen der allgemeinen politischen Umstände Yiquan als Kampfkunst zu betreiben, vom öffentlichen Unterricht ganz abgesehen. In den folgenden Jahren unterrichtete Wang beinahe ausschließlich die Gesundheitsübungen des Yiquan. Die Gesundheitsgruppe wechselte in den Sun Yatsen Park, wo sie unbehelligt üben konnte. Prof. Yu Yongnian präsentierte den Behörden eine wissenschaftliche Ausarbeitung über den therapeutischen Wert der Zhang Zhuang Übungen, woraufhin diese an vielen Krankenhäusern in ganz China eingeführt wurden. Auch Wang selbst unterrichtete in Krankenhäusern. Er übergab nun auch die Gesundheitsgruppe an Yao Zhongxun. Meister Wang starb am 12. July 1963 in Tianjin.

Während die gesundheitlichen Aspekte des Zhang Zhuang frei geübt und gelehrt werden konnten, war die Weiterentwicklung der Kampfkunst nur eingeschränkt möglich. Trainiert wurde nur in sehr kleinen, eher geheimen Zirkeln. Die Zeit der Kulturrevolution zwang die Kampfkunst mehr oder weniger in den Untergrund. Yao Zhongxuns Familie wurde zur Arbeit aufs Land geschickt. Selbst in dieser schweren Zeit unterrichtete Yao seine beiden Zwillingssöhne Yao Chengrong und Yao Chengguang in der Kunst des Yiquan. Nach seiner Rückkehr 1970 nach Peking fand Meister Yao ein freundlicheres Klima vor und begann umgehend, mit der Verbreitung des Yiquan. Er arbeitete mit Sportwissenschaftlern der verschiedensten Disziplinen zusammen und gründete 1984 die Yiquan Forschungsgesellschaft Peking und wurde deren erster Präsident. Er starb 1985.

Gegenwärtig kann sich Yiquan frei entfalten und in ganz China verbreiten. Langsam entwickelt es sich zu einer der bekanntesten Kampfkünste Chinas. Insbesondere die beiden Zwillingsbrüder Yao Chengrong und Yao Chengguang haben das Erbe angetreten, die Kunst weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Ganz in der Tradition Wang Xiangzhais und Ihres Vaters Yao Zhongxun, nach deren Auffassung „Wissen allen Menschen gehört“ und es keine Geheimnisse geben darf, tun sie dies mit größtem Respekt. Beide gründeten Ihre eigenen Yiquan-Schulen in Peking, in denen Schüler aus der ganzen Welt trainieren.

Jumin Chen

Jumin Chen, direkter Schüler von Yao Chengguang und Yao Chengrong hat sich zur Aufgabe gemacht, Yiquan im deutschen Sprachraum zu verbreiten. Die Zahl begeisterter Übender des Yiquan in Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst kontinuierlich. Unser Lehrer Jumin ist wie wir in seinem Streben sehr selbstkritisch und zeichnet sich durch eine ansteckende Neugier und Begeisterung für die Schätze seiner Kultur aus. Er wurde von Kindheit an in Xingyiquan, Baguazhuang und Taijiquan unterwiesen. Seine eigene Suche nach der Essenz dieser inneren Künste hat auch ihn vor ca. 25 Jahren zum Yiquan geführt. Er ist nun Cheftrainer der Zhongyi Wugan Schule in Peking von Meister Yao Chengrong und hat die Europäische Yiquan Akademie gegründet. Sven Röckle trainiert mehr als 15 Jahren Yiquan und ist einer der ersten deutschen Schüler von Jumin Chen. Durch viel Trainingsfleiß und das intensive Erleben von Höhen und Tiefen in verschiedenen inneren Künsten und der eigenen Entwicklung hat auch er fundierte Kenntnisse in den Prinzipien, der Theorie und der Praxis des Yiquan erworben. Dabei halfen ihm seine Erfahrungen im Chen-Taijiquan, diversen QiGong-Formen dem Bujinkan Ninjutsu, und Taekwondo. Aktuell beschäftigt sich Sven mit Systema (primär in der Homo Ludens Interpretation nach Alexandar „Alex“ Kostic). Jumin Chen hat Ihn gebeten, in seinem Namen zu unterrichten und eine Yiquan-Trainingsmöglichkeit in Stuttgart ins Leben zu rufen. Beide verbindet ein sehr freundschaftliches Verhältnis und sie teilen miteinander Ihre Liebe zu der Kunst des Yiquan. Beide sind vom Ausdruck des lebendigen Geistes fasziniert und möchten ihre Begeisterung mit anderen teilen. Sven leitet die Gruppe in Stuttgart und unterrichtet die Prinzipien des Yiquan, wobei die gesundheitlichen Aspekte betont werden, da ohne die entsprechenden Voraussetzungen nicht an Kampfkunst zu denken ist. Umgekehrt ist die Kampfkunst wesentlicher Teil von Sven’s Didaktik, da ohne die Kenntnis der Anwendungsmöglichkeiten nur sehr schwer Verständnis  für die Trainings-Prinzipien einer „Inneren Kunst“ aufgebracht werden kann. Ziel ist es, dass sich aus der Stuttgarter Gruppe heraus weitere Enthusiasten herausbilden, die ebenfalls gerne unterrichten möchten. Dies steht allen Teilnehmern offen und wird explizit gefördert. Jumin hält regelmäßig Wochenendseminare ab, die einen tiefen Einblick in die Welt des Yiquan geben und bietet alternativ seit einiger Zeit eine 3-jährige Lehrerausbildung an.

Blickt man auf das bewegte Leben von Meister Wang Xiangzhai zurück, so kommt ihm ein Verdienst zu Gute: er ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die wohl älteste Übungsmethode der Menschheit zur Kultivierung des eigenen Lebenspotenzials, die Zhang Zhuang Übungen der „Stehenden Säule“, in ihrem unschätzbaren Wert nicht nur wiederentdeckt wurden, sondern man durch Wangs Interpretationen und seine Systematisierung den Wert des Zhang Zhuang Gong überhaupt durch das tägliche Üben begreifen und verstehen kann. Das Zhang Zhuang Gong wurde als Mutter des Qigong wiederentdeckt und davor bewahrt, in Vergessenheit zu geraten. Was einst nur wenig Auserwählten zu Gute kam, bereichert heute das Leben von jedem, der sich ernsthaft damit beschäftigen möchte. Leider gibt es gerade auch heute in vielen Kampfkünsten und Formen der Gesundheitspflege Geheimniskrämer, die sich weigern ihr Wissen freizügig weiterzugeben. Hier stehen nicht einmal nur finanzielle Interessen im Vordergrund, sondern häufig das eigene übersteigerte Ego. Mit künstlichen, oftmals an den Haaren herbeigezogenen Formen und stilisierten Entwicklungswegen wurde damals wie heute nur das Einkommen des Meisters gesichert, nicht der Fortschritt der Schüler. Im alten China waren viele Kampfstile etwas ähnliches wie Jahrmarktattraktionen. Der vermeintliche „Meister“ musste die Menschen durch artistische Bewegungen und den Showeffekt beeindrucken, um an Schüler zu gelangen, die sein Auskommen sicherstellten. Die Lehren haben sich bis heute gehalten und sind vom heutigen Standpunkt kaum noch interpretierbar oder schlichtweg zu rein äußeren Stilen degeneriert. Da der Erfolg des Zhang Zhuang Gong sich immer stärker verbreitet, versuchen viele Stile das Zhang Zhuang wieder mit einzubauen. Oftmals fehlt jedoch hier der systematische Zusammenhang und Fortschritte sind nur bedingt möglich.